politCamp 2012 Tag 1 – und wech …

Super organisiert kommt das politCamp 2012 in seiner 4.(?) Auflage daher, um Politik und Web2.0 zusammen zu bringen. Es wird aber schon in der Vorstellungsrunde klar, dass hier einiges schief liegt. Ein Dutzend Parteivertreter der lokalpolitischen! Sorte auf der einen, Verbände, Verbünde, Wirtschaft, Consultings und -tants und Kirchen auf der anderen – wenig Web 2.0 soweit ich das erkennen konnte.

Das morgendliche Schmankerl war die Session mit M. Schaar, seines Zeichens Bundesdatenschutzbeauftragter. Um Datensicherheit in der Cloud sollte es gehen – ging es aber nur im Nebensatz – dafür sorgte schon die Vertreterin der Verbraucherschutzverbände, so dass die Diskussion schnell im Mainstream des Bildzeitungsniveaus geerdet wurde: Facebookbashing, Schutz vor Abzocke i. I., Adresshandel.
Ein europäisches Datenschutzgesetz und eine EU-Datenschutzbehörde soll jetzt richten, was man hier nicht in den Griff bekäme, so war der Tenor. Super – und damit die EU so richtig gut schützen kann, müssen die natürlich Zugriff auf unsere Daten haben. Und vielleicht ein Back-up aller Daten und Datenbewegungen, damit man auch wiederherstellen kann, was eventuell verloren geht: Es wurde allen Ernstes beklagt, dass ein STARTUP derzeit Pleite gehe, wenn der Cloudprovider ihm die Dienste sperrt, weil es dann nicht mehr an seine Daten käme. Aber hallo – vielleicht sollte der besser früher als später vom Netz, wenn er solche Flanken aufmacht?

Die Themen im BarCamp waren denn auch eher ein Vorgriff auf die Hauptsession – mit Besuch aus den Parteien -Augenfällig haben besonders die Grünen deutlich aufgerüstet und boten gleich eine ganze Riege “Netzpolitiker”, die das natürlich immer schon gemacht haben, auf.
Die übten sich im Wiederholen von Argumenten bzw. Statements wie “Die Piraten sind nichts Neues – nur eine weitere Parteiblase, die bald wieder platzt.” und “Systemwechsel – wozu brauchen wir einen Systemwechsel? Das System hat die Piraten hervorgebracht, die nun EINEN oder ZWEI neue Themen in die politische Diskussion spülen und dann wieder verschwinden.” oder “Abkehr von Lagerkämpfen und Entscheiden nach fachlicher Richtigkeit? Das ist doch das naive Bild eines Politikstudierenden im ersten Semester, das Politik zu einem allgemein anerkannt “richtigen” oder objektiv “guten” Ergebnis führen könne. Nein, die Wissenschaft (und wir die staatstragenden Systemsträger) ist sich einig, das Entscheidungsfindung im parlamentarischen System einer pluralistischen Gesellschaft Resultat des kämpferischen Wettbewerbs der Standpunkte und Parteiprogramme ist.”. Und nicht zu vergessen: natürlich haben nicht die Piraten die Netzthemen in den Focus gerückt, das war eben gesellschaftlich anstehend und ist nun zu aller Zufriedenheit erledigt.
Fazit dazu: Keine Einsicht in Änderungsbedarf (Entscheidungs-transparenz, open data, open government – Alles super) bei den Etablierten in Sicht, ist alles gut wie es ist und sie machen das schon selbst am Besten.

Den zweiten Tag habe ich mir gegeben – Allein mir geht das märtyrerhaft Masochistische ab, dass es braucht, sich zwei Tage einer solchen Quartsch-Schwemme auszusetzen.
Blumig hat es @miinaaa gefaßt: “#pc12 Bubbletea ?” und am BubbleTea sind ja nun mal die Bubbles das Charakteristische: Gallertige Gelantine-, Tapioca- oder Alginat-Kügelchen, die unter Druck auf dem Teller wegschleimen oder es tritt eine sämigklebrige, zähe Soße aus, die auch nicht wirklich appetitlich ist :-)
Also: Druck erhöhen, damit jede/r sieht womit wir es hier zu tun haben.

(Am Rande: Eine deutlich für die Kamera geschminkte Marina wiederholte abends fast wortwörtlich ihre Statements aus der Nachmittagssession “Transparenz” – fand ich eher blöd.)

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