Eine piratige Initiative

@herrurbach und @acid23 und @sanczny haben eine BEMERKENSWERTE Aktion unter der Überschrift: “ICH BIN ALLTAGSSEXIST V2.0″ gestartet, die sich an alle Piraten bzw. Menschen richtet und für die strukturelle Ungleichbehandlung von Menschen untereinander und auch unter Piraten sensibilisiert.

Wir filtern Information – wir tun es ständig und wenn jemand das Filtern nicht kann, ist er bereits oder wird er bald krank im Sinne der WHO-Definition*. Filtern heißt Information/Reize anhand grober Merkmale dahingehend zu kategorisieren, ob sie kontextrelevant sind und ob sich Energieaufwand und Fokussierung derAufmerksamkeit für eine konzentrierte Analyse eignen. Unnötiger Energieaufwand und fehlgeleitete Aufmerksamkeit selektieren negativ – kein Wunder, dass sich der Filtermechanismus durchgesetzt hat.

Natürlich sind Urteile über die Wahrnehmung von Informationen, Reizen oder dem Gegenüber individuell gelernt und damit erfahrungsgeprägtes Sozialisationsprodukt. Sie werden im Sozialverband positiv und negativ verstärkt und erlauben so eine optimale Anpassung der sozialen Gruppe UND des Individuums an deren Sozialisationsumwelt. Sinnvoll, wenn die erfolgreiche Auseinandersetzung mit dieser Umwelt über Leben, Überleben, Erfolg und Fortpflanzung entscheidet.

Aber – und das unterscheidet den Menschen im positiven Fall vom Affen – wenn die Kategorisierung nicht mehr zielführend ist, wenn die Parameter irreführen, in einer sich in einem Lebenszeitraum grundlegend verändernden Welt ihren Sinn verlieren, dann können Menschen die Filter neu justieren. Und natürlich kann selbstkritisches Hinterfragen auch geboten sein, wenn ethische Massstäbe, die zwar rationalisiert aber noch nicht konsequent im Denken und Handeln praktiziert werden, eine Nach-/ oder Neujustierung einfordern.

Der rückwandernde Wolf, der wieder eingewilderte Luchs und die Kreuzotter sind keine ernstzunehmende Gefahren für Menschen mehr, wer fliegt und oder den Skywalk passiert, für den macht Fallangst keinen Sinn, wegen Krankheit braucht eine Gesellschaft mit High-Tech-Medizin keinen Menschen auszugrenzen, in einer Arbeitswelt, in der Körperlichkeit viele seiner funktionalen Aspekte eingebüßt hat, treten körperliche Merkmale und Unterschiede hinter mentaler Leistungsfähigkeit und professionellen Skills zurück.

Ohne Frage gibt es reichlich Anlass unsere Wahrnehmung zu hinterfragen, Verhalten und Eindrücke auf unberechtigte Vorurteile hin zu überprüfen und die Fileter neu zu justieren. Es erscheint mir wichtig, zu vemitteln, dass das Übel m. E. nicht im Mechanismus der Vorselektion durch Kategorisierung an sich, sondern in der inkorrekten Justierung der Filter besteht. Gefragt ist also eine kritische Introspektion und Reflexion. Und dazu regen @herrurbach und @acid23 und @sanczny in einer Sprache und Eingängigkeit an, die ich so leider nicht beherrsche.

Danke und thumbs-up!

http://stephanurbach.de/2012/06/ich-bin-alltagssexist-v2-0/
http://sanczny.wordpress.com/2012/06/27/ich-bin-alltagssexsist-v2-0/

*Krankheit ist lt. WHO Abweichung von der (empirischen) Norm; schön deutlich wird das im englischen wording i.e. ‘mental illness and mental disorder’

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